
Was ist ein Zukunftskonferenz?
Die Zukunftskonferenz ist ein Grossgruppenverfahren der Organisationsentwicklung. Sie geht auf die Methode «Future Search» von Marvin Weisbord und Sandra Janoff zurück. Das Prinzip: Das ganze System in einen Raum bringen. Geschäftsleitung, Kader, Mitarbeitende aus allen Bereichen, je nach Situation auch Kund:innen oder Partner.
Der Ablauf folgt einer festen Dramaturgie. Zuerst die gemeinsame Vergangenheit, dann die Gegenwart mit ihren Trends und Kräften, dann das Zielbild, dann die konkreten Vorhaben. Die Gruppe arbeitet in wechselnden Zusammensetzungen und im Plenum. Die Geschäftsleitung setzt den Rahmen, entscheidet aber nicht vor.
Im Original dauert eine Future Search mehrere Tage. In Schweizer KMU arbeite ich meist mit einer verdichteten Form: ein Tag, klar strukturiert, mit Vorbereitung und Nachbereitung. Was zählt, ist nicht die Länge, sondern dass alle Perspektiven gleichzeitig im Raum sind.
Transformation gemeinsam gestalten: Die Wirkung einer Zukunftskonferenz
Change-Kommunikation läuft in den meisten Unternehmen als Kaskade. Die Geschäftsleitung entscheidet. Das Kader informiert. Die Mitarbeitenden lesen ein Intranet-Posting. Jede Stufe filtert, jede Stufe interpretiert. Am Ende weiss die Organisation, dass sich etwas ändert, aber nicht, was das für die einzelne Person bedeutet.
Warum eine Zukunftskonferenz die Kommunikationskaskade durchbricht
Eine Zukunftskonferenz kürzt diesen Weg ab. Drei Dinge passieren an einem Tag, die eine Kaskade in Monaten nicht schafft:
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Es hören alle dasselbe, zur selben Zeit, von denselben Personen. Es gibt keine Version zwei.
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Es reden Menschen miteinander, die sich im Alltag nie begegnen. Die Buchhaltung mit der Montage, der Verkauf mit der Entwicklung. Der Austausch schafft ein Gefühl von Bedeutung, das kein Vorgesetzter per Ansprache herstellen kann.
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Die Vorhaben entstehen im Raum. Wer eine Roadmap selbst mitgeschrieben hat, muss nicht mehr überzeugt werden.
Zukunftskonferenz in der Praxis: ein Beispiel aus dem atedo Arbeitsalltag
Ein echtes Beispiel aus dem atedo Arbeitsalltag. Eine Kreativagentur, ein Team von rund zwei Dutzend Personen, ein Tag Zukunftskonferenz. In der Eröffnungsrunde sagte einer:
«Null Bock auf Workshops. Aber grässlich neugierig, was dabei rauskommt.»
Ehrlicher kann eine Ausgangslage nicht sein.
Am Vormittag arbeiteten drei Gruppen an denselben Fragen:
- Warum braucht es die Transformation?
- Wie zeigt sich der Wandel bei den Kund:innen?
- Was macht die Transformation mit unserer Kultur und dem Team?
Nach einer Stunde hängen die Antworten an der Wand, und sie decken sich. Es fehlt ein gemeinsames Zukunftsbild. Es gibt Silos. Der Tempo- und Preisdruck der Kund:innen ist im Alltag angekommen.
Ausgesprochen hatte das vorher niemand. Jetzt steht es dreimal da, von Hand geschrieben.
Dann wird es unkonventionell. Im Unternehmenstheater spielen die Gruppen in wenigen Minuten vor, wie die Agentur in fünf Jahren mit ihren Kund:innen arbeitet.
Am Nachmittag folgt ein World Café:
- Was hat uns erfolgreich gemacht?
- Welche Herausforderungen haben wir?
- Was müssen wir tun, um in der Zusammenarbeit erfolgreich zu bleiben?
Aus den Tischrunden entstehen Massnahmen, die das Team selbst gewichtet, Handlungsfeldern zuordnet und mit Verantwortlichen und Terminen versieht. Die am höchsten bewerteten sind nicht die spektakulärsten:
- Prozesse standardisieren,
- ein Wissens-Wiki,
- ein gemeinsames Zukunftsbild,
- ein jährlicher Zukunftstag,
- eine wöchentliche Kaffeepause ohne Agenda.
Die Geschäftsleitung hat keine davon vorgegeben.